Yishai Sarid
Limassol
Verlag: Kein & Aber
ISBN 3-0369-5554-2
EAN 9783036955544
„Vor der ersten Begegnung mit einem Menschen studiere ich seine Gesichtszüge stets genau, das beugt Überraschungen vor“, sagt der Ich-Erzähler des Romans „Limassol“ von Yishai Sarid, bevor er sich der attraktiven Schriftstellerin Daphna unter dem Vorwand, Hilfe beim Schreiben eines Romans zu benötigen, vorstellt. Als Mitarbeiter des israelischen Geheimdienstes hat er den Auftrag erhalten, über Daphna den Kontakt zu einem todkranken und im Gazastreifen lebenden Dichter, dessen Sohn ein gesuchter Terrorist ist, herzustellen. Außerdem ist er damit beschäftigt Gefangene, notfalls auch mit Gewalt, zu verhören. Das Fingerspitzengefühl, sagt er zu seinem Chef, sei ihm bei den vielen Verhören abhanden gekommen.
Der Druck, einen Selbstmordattentäter aus Nablus zu finden, bevor dieser sich mit einem Sprenggürtel voller Nägel in die Luft sprengt, hält ihn davon ab, sich um seine Familie zu kümmern. Während sein eigenes Familienleben aus den Fugen gerät, gelingt es dem Ich-Erzähler über Daphna das Vertrauen des todkranken Dichters zu gewinnen. Zwischen den Dreien entsteht ein Freundschaftsverhältnis, das den Geheimdienstler schließlich auf Zypern vor eine schwere Entscheidung stellt. Denn hier hat man ein Treffen zwischen dem todkranken Dichter und seinem Sohn, dem Terroristen arrangiert.
Das Besondere des bis zur letzten Seite spannend geschriebenen Romans ist die eindringliche Schilderung der Hauptfigur, die alle Seiten beleuchtet und den Leser sowohl Sympathie für sie als auch für den todkranken palästinensischen Dichter empfinden lässt.
Karin Alberti