September Buchtipp

Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

Friedrich Ani
Totsein verjährt nicht
Paul Zsolnay Verlag
ISBN 9783552054707


Polonius Fischer, kurz: P-F, ehemaliger Mönch und inzwischen Hauptkommissar bei der Münchner Mordkommission  ermittelt in seinem bisher persönlichsten Fall. 2002 verschwindet die achtjährige Scarlett Peters spurlos. Ein vierundzwanzigjähriger, geistig zurückgebliebener Nachbar wird des Mordes an dem Mädchen verdächtigt und gesteht nach stundenlangen, quälenden Verhören. Kurz darauf widerruft er sein Geständnis, aber niemand glaubt ihm. Trotz vieler Ungereimtheiten bleibt er für Polizei, Justiz und medizinische Gutachter der Mörder, wird rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen. Als sich sechs Jahre später ein Schulfreund Scarletts bei Fischer meldet und aussagt, sie gesehen zu haben, beschließt der Kommissar, den Fall, den man ihm 2002 entzogen hatte, neu aufzurollen - ohne Befugnis, ohne Wissen der Kollegen und begleitet von tiefer Angst um seine Lebensgefährtin, die schwerverletzt im Koma liegt. Friedrich Ani zeichnet im dritten Polonius-Fischer-Fall, der auf realen Begebenheiten beruht, erneut ein äußerst präzises Bild unserer zu Oberflächlichkeit und Vereinfachung neigenden Gesellschaft und stellt Fragen nach Schuld, Sühne, Reue, verletztem Stolz, Verantwortung, Liebe, Freundschaft und Vertrauen, die unter die Haut gehen. Mehr als ein Krimi!

Annegret Zimmermann